Integriertes Verständnis von Urbanistik

Frank Eckardt (Sozialwissenschaftliche Stadtforschung):
„Urbanistik im Zeitalter medialer Urbanität sucht die Orte des Städtischen vermehrt dort, wo sie zunächst nicht zu erwarten ist: online, in der Sprache, in der Metaphorik, der Medialität von Stadtplanung, den Instrumenten und den Diskursen des Urbanen.“

Karen Sievers (Sozialwissenschaften):
„Im Ergebnis zeigen sich diese Leitlinien – Interdisziplinarität, Historizität, Reflexivität – selbst als hochgradig wechselseitig bedingt und aufeinander angewiesen; sie verweisen damit analog zur Forderung nach einer ‘integrierten Stadtentwicklung’ auf ein ebenso ‘integriertes’ Verständnis von Stadtforschung und Urbanistik.“

Joanna Kusiak (Soziologie und Philosophie):
„In Zeiten der urbanen Revolution wird der Überbau von der Basis überholt.“

Gudrun Haindlmeier (Soziologie und Geographie):
„Aufgabe einer integrativen Stadtforschung und Urbanistik ist es daher meiner Ansicht nach, genau diese Fragen nach der Eigenständigkeit oder Sonderposition von Städten zu beantworten – was macht das ‘Wesen’ einer Stadt aus? Wie sind Städte in ihr Umfeld (lokal, regional, global) eingebettet? Inwieweit sind sie davon beeinflusst, und inwieweit nehmen sie selbst Einfluss auf andere Raum- und Sozialeinheiten? Welche Wechselwirkungen bestehen, und sind Städte trotz oder gerade wegen ihrer Diversität und Unterschiedlichkeit durch ihre spezifischen Eigenschaften und Gegebenheiten, die sie hervorrufen und gleichzeitig konstituieren, in der Lage, die aktuellen (sozialen) Problemlagen zu lösen oder ihnen zumindest adäquat zu begegnen (es muss ja einen Grund geben, dass auch historisch gesehen die bedeutenden Bewegungen und Entwicklungen meist in Städten entstanden)?“

Emanuela Semlitsch (Stadtplanung):
„Im Umgang mit der städtischen Lebenswelt scheinen die Grenzen zwischen den wissenschaftlichen und praktischen Disziplinen noch immer zu starr. Ungenutzt bleibt vielfach ein immenses Potenzial an innovativen Ideen für ein rücksichtsvolleres Zusammenleben von Mensch und Natur.“

Cornelia Dlabaja (Soziologie):
„Um im interdisziplinären Feld der Stadtforschung tätig zu sein, war für mich der nächste logische Schritt, mir die Perspektive benachbarter Disziplinen zumindest in Teilen zu erschließen, wie jene aus der Raumforschung und Urbanistik.“
Friedrich Borries (Architektur und Designtheorie):
„Mir ist der Begriff Urbanistik etwas zu weit, und letztlich ist es ja auch ein Kunstbegriff.“

Peter Noller (Stadtsoziologie):
„Urbanistik beschreibt ganz allgemein den wissenschaftlichen Umgang mit dem Thema Stadt bzw. Urbanismus, zusammengeführt unter diesem Sammelbegriff aber noch gar nichts. Dazu braucht es eine konkrete Fragestellung, ein Programm oder ein wissenschaftliches Konzept. Ich bevorzuge den Begriff der interdisziplinären Städteforschung (Städte im Plural).“