Herausforderungen der interdisziplinären Übersetzung zwischen Sozialwissenschaften, Architektur und Stadtplanung

Sibylla Zech (Raumplanung):
„Urbanistik kittet das zusammen, was Urbanität ausmacht. Urbanistik heißt, etwas von der Stadt zu verstehen und davon Kunde zu tun: von der gebauten Stadt und ihren Freiräumen, vom Leben und Wirtschaften in der Stadt, von der Verflechtung mit dem Umland und den Aufgaben und Chancen im Netz von Städten und Stadtregionen. Daher integriert Urbanistik verschiedenste Disziplinen und Ansätze, ist aber nicht eigentlich ein übergeordneter Begriff. Urbanistik ist eine der Werkzeugkisten und Probenkoffer der Stadt- und RaumplanerInnen.“

Sabine Pollak (Architektur):
„Für mich bedeutet Urbanistik, dass die StadtplanerIn als alleinige und einzige Expertin nicht mehr länger existiert. Urbanistik umfasst Recherche, Dokumentation, Eingriff, Installation und Analyse und weitet den engen Bereich der Stadtplanung zu einem offenen Feld.“

Klaus R. Kunzmann (Europäische Raumplanung):
„Urbanistik ist in den letzten Jahren zu einem akademischen Schlachtruf all derer geworden, die sich bewusst (oder unbewusst) von dem eingeführten Begriff der Stadtforschung abgrenzen möchten. Sie tun dies, weil sie eingefahrene Wege verlassen möchten, weil sie bei der Stadtforschung bestimmte Dimensionen vermissen, die sie dann unter den Sonnen- oder Regenschirm der Urbanistik stellen, oder sie möchten diese neuen Dimensionen mit urbanistischem Zauberpapier als Geschenk für die neue kreative Klasse verpacken, weil Urbanistik einfach schicker klingt als Stadtforschung“

Klaus R. Kunzmann (Europäische Raumplanung):
„Ich kann gegenüber dem alten Begriff der Stadtforschung (und auch gegenüber den Begriffen Raumforschung, Regionalwissenschaft oder Raumwissenschaft) keine Vorteile sehen, vielleicht außer, dass sich Urbanistik in Architekturzeitschriften, Ausstellungskatalogen und Szenemedien und für Forschungsanträge besser verkaufen lässt.”

Klaus R. Kunzmann (Europäische Raumplanung):
„Urbanistik jedenfalls könnte sich als innovative akademische Disziplin etablieren, wenn es ihr gelänge, die wissenschaftliche Brücke zwischen Theorie und Praxis als eine zwischen Analyse und strategischem Handeln schlagen, und nicht nur die Befindlichkeiten von kosmopolitanen Stadtgesellschaften in wohlklingenden Worten zu beschreiben.“

Tilman Harlander (Architektur- und Wohnsoziologie):
„Wie kein anderer vergleichbarer Begriff (Städtebau, Stadtplanung, Stadtentwicklung, urban design u.a.) beinhaltet der Begriff der ‘Urbanistik’ sowohl eine grundsätzlich disziplinenübergreifende Perspektive (Architektur, Städtebau, Stadtgeschichte, Stadtsoziologie, Stadtökonomie, Stadtgeographie, Verkehrsplanung, Ökologie, Landschaftsplanung, Planungsrecht etc.) als auch ein ‘Zusammendenken’ der verschiedenen, im Prozess der Stadtentwicklung betroffenen Ebenen, also Analyse, Planung/Entwurf, Steuerung/Umsetzung und kritische Reflexion über das jeweils Erreichte.“