Computerintegrierte Räumliche Planung

Pilotprojekt: Videoconferencing für Forschung und Lehre

Bob Martens, Andreas Voigt,
Elmar Schmidinger, Philipp Krebs, Robert Vargason, Florian Wicke


1. Präambel

Planung kann als ein permanentes Abschätzen von räumlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Kontext wechselnder Zielsetzungen definiert werden. Die räumliche Wirkungsanalyse hinsichtlich der funktionellen Tauglichkeit bedingt die mehrfache Iteration von Prüfungs- und Entwicklungsvorgängen im Zuge des Planungsprozesses. Simulation und Modellbildung stellen in diesem Zusammenhang eine unumgängliche Notwendigkeit dar und spielen sich sowohl auf einer physisch-analogen als auch auf einer virtuell-digitalen Ebene ab. Um die in Arbeit befindlichen Modelle zweckmäßig weiterentwickeln zu können, erfordert die Planung einen kontinuierlichen Kommunikationsfluß, dh. den "Transport von Informationen" über geeignete "Medien". Hinzu kommt die Notwendigkeit einer raschen Bewertung des jeweiligen (simulierten) Planungszustandes bzw. die Generierung möglicher Alternativen vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Leitbildes. Dies erfordert eine effiziente Kommunikation, welche untrennbar mit ganzheitlicher Wahrnehmung verbunden ist.

2. Pilotprojekt "CIVIC"

Ausgangspunkt für das Pilotprojekt "CIVIC" (Computer Integrated Video-Conferencing) war die Erarbeitung von tauglichen Telematik-Strukturen für Forschung und Lehre. Es war beabsichtigt, die Durchführung in zwei Arbeitsphasen zu gliedern. Die erste Phase sollte innerhalb des Großraums Wien stattfinden und zwar in erster Linie zwischen verschiedenen Standorten der TU-Wien. In Phase 2 sollte eine Ausdehnung in Richtung österreichweite bzw. internationale Verbindungen realisiert werden.

3. Fachliche Aspekte

Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf einer computer- bzw. simulationsintegrierten räumlichen Planung im Spannungsfeld von Raumplanung und Architektur. Durch den Einsatz von Methoden des Video-Conferencing soll die innovative Vermittlung von Planungs- und Modellierungsprozessen in technischer wie fachlicher Hinsicht stattfinden bzw. optimiert werden.

Als Testprojekte dienen aktuelle Themenstellungen aus Raumplanung und Architektur, z.B.:

A.
Entwicklung eines Expertensystems für die räumliche Planung (Nutzung von entwurfsunterstützenden Techniken)

B.
Ökologische Dynamisierung der Stadtentwicklungsplanung (Die nachhaltige Stadt)

C.
Mediale Dynamisierung der räumlichen Planung (Planen im Zeitalter der Kommunikation)

Die Ergebnisse sind sowohl im fachlichen als auch im technischen Bereich angesiedelt. Auf der Basis optimierter Kommunikationsstrukturen ist eine sinnvolle Erweiterung der Methodenvielfalt im Bereich der Raumplanung und der Architektur zu erwarten.

4. Weiterführende Projekte: "SHARMOD", "REMOTE"

Neben dem grundlegenden Aktivitätenbereich des Video-Conferencing als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Projektbeteiligten über einen längeren Zeitraum, ist insbesondere auch das "Model/Object Sharing" (Projekt SHARMOD) zu erwähnen.

Im Gegensatz zu den bisherigen Arbeitsweisen ist eine gemeinsame Projektarbeit nicht länger an sequentielle Abläufe gebunden. Mittels einer Breitbandapplikation ist es möglich, umfangreiche Modelle - wie z.B. komplette Stadtteile - wesentlich rascher zu übertragen bzw. interaktiv zu bearbeiten. Die interaktive Arbeit an dreidimensionalen Komponenten könnte in diesem Zusammenhang mittels VRML (Virtual Reality Modeling Language) erfolgen. Das Abschätzen von Einsatzmöglichkeiten der dreidimensionalen VRML-Szene in der räumlichen Entwurfs- und Planungsarbeit stellt daher ein zu bearbeitendes Feld dar.

Im Hinblick auf bereits vorhandene Lehrtätigkeit an anderen Universitäten, könnte "Remote Teaching" (Projekt REMOTE) an Bedeutung gewinnen und zu einer Intensivierung von Austauschaktivitäten führen.

5. EDV-technischer Aspekte

Es ist in diesem Zusammenhang grundsätzlich zwischen allgemeinen Infrastrukturmaßnahmen und spezifischen Endnutzerinstallationen zu unterscheiden.

Zusammenfassend ist folgende technische Ausstattung erforderlich:

A.
Leistungsfähige Endgeräte
B.
Videosystem - Peripherie der Endgeräte
Für Remote-Teaching sind qualitativ hochwertige Komponenten erforderlich.
C.
High-Speed Netzwerk-Interface in den Endgeräten (ATM-Interfaces)
D.
Netzwerk-Switch (ATM-Switch)
E.
Lichtwellenleiter zwischen den Endgeräten und dem Netzwerk-Switch
Die beschriebene Projektstruktur für Forschung und Lehre im Bereich einer "Computerintegrierten Räumlichen Planung" erfordert das strategische Zusammenwirken von Instituten und Einrichtungen der Fakultät wie zentralen Einrichtungen der gesamten Universität, darüberhinaus die Einbindung fachübergreifender Einrichtungen und die Kooperation mit der Wirtschaft.